| Veranstaltung: | 3.Mitgliederversammlung der Grünen Jugend Augsburg 2025 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | 5. Anträge |
| Antragsteller*in: | Vorstand der Grünen Jugend Augsburg (dort beschlossen am: 12.12.2025) |
| Status: | Eingereicht |
| Antragshistorie: | Version 6 |
A1: Ambitioniertes Augsburg: Für eine Stadt mit Zukunft und Perspektive
Antragstext
Präambel
Die Grünen in Augsburg haben viele richtige und wichtige Forderungen in ihrem
Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2026 aufgenommen. Teilweise wird dieses allerdings
unserer ambitionierten Vorstellung von einem zukunftsfähigen Augsburg nicht
gerecht.
Deshalb ist es unsere Aufgabe hier weiterzudenken und die Themen auf den Tisch
zu bringen, die anderen vielleicht noch zu groß, zu teuer oder zu unbequem
erscheinen. Somit wollen und müssen wir als GRÜNE JUGEND Augsburg uns in der
Kommunalpolitik und auch im Stadtrat im Einklang mit unseren Werten sowohl für
die Vision der GRÜNEN als auch besonders für unsere im Folgenden gezeichnete
Vision der Zukunft Augsburgs einsetzen.
1. Klimaneutralität bis 2035
Wir bekennen uns ohne wenn und aber dazu, Augsburg bis zum Jahr 2035
klimaneutral zu machen.
Dafür müssen wir:
- Die Instrumente des Wahlprogramms weiter fassen, da wo sie zu kurz kommen
- Uns im Falle einer Regierungsbeteiligung mit Nachdruck in
Koalitionsverhandlungen für effektiven Klimaschutz einsetzen
- Eng im Austausch mit Klimaschutzinitiativen, Aktivisti und
Wissenschaftler*innenagieren
- Transparenz nach außen zeigen, wenn eine Maßnahme oder ein Vorhaben im
Klimaschutzbereich scheitert
2. Zoo-Transformation: Vom Unterhaltungsbetrieb
zum Naturbildungszentrum
Der Zoo Augsburg soll schrittweise in ein modernes, tierfreies
Naturbildungszentrum umgewandelt werden. Die Ausstellung von Tieren zur
Unterhaltung ist kein zeitgemäßes Freizeitangebot mehr.
Konkret bedeutet das:
- Bildungsangebote verstärkt in städtische Einrichtungen wie das
Umweltbildungszentrum verlagern
- Artenschutz klar vom Freizeitbetrieb trennen und auf den Schutz von
Lebensräumen vor Ort ausrichten statt auf Import von Tieren
- Bis zur Transformation: volle Transparenz über gehaltene, bedrohte und
ausgewilderte Arten
3. Schultoiletten: Würde ist nicht verhandelbar
Schüler*innen, die den ganzen Tag nicht auf die Toilette gehen, weil der Zustand
unzumutbar ist – das ist Realität in Augsburg. Diese Situation beenden wir.
Wir wollen erreichen, dass bis Ende der kommenden Legislaturperiode sämtliche
sanierungsbedürftigen Schultoiletten erneuert werden – mit einem verbindlichen
Fahrplan nach dem Prinzip „worst first".
4. Kostenloser ÖPNV für junge Menschen – und
eine echte City-Zone
Mobilität darf keine Frage des Geldbeutels sein. Wir wollen, dass Schüler*innen,
Auszubildende und Studierende den ÖPNV in Augsburg kostenlos nutzen können.
Außerdem streben wir an, die kostenlose City-Zone auf das gesamte Gebiet der
Zone 10 auszuweiten – damit der Umstieg auf Bus und Tram für alle einfacher
wird.
5. Ringverbindung: Augsburg braucht
Querverbindungen
Wer heute quer durch Augsburg will, fährt erstmal in die Innenstadt und wieder
raus. Das ist ineffizient und kostet Zeit.
Unsere Ziele sind:
- Kurzfristig eine ringförmige Buslinie, die die Tramlinien auf Höhe der
Zone 20 direkt verbindet, zu etablieren.
- Langfristig ein Konzept für eine echte Ringbahn, basierend auf einer
Evaluation der Fahrgastströme, zu erarbeiten.
6. Psychische Gesundheit für Kinder, Jugendliche
und Familien – schnell und unkompliziert
Psychische Erkrankungen sind längst kein Randthema mehr – sie betreffen jede
Generation, jede Schicht, jede Familie. Besonders alarmierend: Die psychische
Belastung bei Kindern und Jugendlichen hat in den letzten Jahren massiv
zugenommen. Gleichzeitig warten Betroffene oft monatelang auf einen
Therapieplatz, während sich ihre Situation verschlechtert. Das ist nicht
hinnehmbar.
Eine Stadt, die es ernst meint mit der Gesundheit ihrer Bürger*innen, muss hier
handeln – nicht irgendwann, sondern jetzt. Deshalb setzen wir uns ein für:
- Eine städtische Anlauf- und Beratungsstelle für Jugendliche (16–28 Jahre)
– in Zusammenarbeit mit dem Bezirk Schwaben, mit professioneller
psychologischer Beratung durch ein multiprofessionelles Team, unabhängig,
vertraulich und niedrigschwellig.
- Eine zentrale Anlaufstelle für die Therapieplatzsuche – die Betroffene
aktiv unterstützt: beim Vereinbaren von Erstgesprächen, beim Herstellen
von Kontakten zu Therapeut*innen, beim Navigieren durch ein überfordertes
System. Im besten Fall übernimmt sie sogar Anrufe bei der
Terminvermittlung.
- Konsequenten Einsatz für mehr Therapieplätze – durch politischen Druck auf
die Landesregierung zur Schaffung weiterer Kassensitze für
Psychotherapeut*innen in Bayern und durch eigene städtische Anreize.
- Ausbau der psychologischen Beratungsstellen und mehr Unterstützung für
Eltern mit Beeinträchtigungen.
7. Starke Kitas brauchen starke Fachkräfte
Die Kitas stehen unter hohen Druck und einzelne Verbesserungen reichen nicht
aus, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden. Unsere Kandidierenden
setzen sich deshalb für eine Personalpolitik ein, die pädagogische Arbeit ernst
nimmt, gute Arbeitsbedingungen schafft und Inklusion konsequent mitdenkt.
Wir setzen uns deshalb ein für:
- faire Bezahlung, die den Anforderungen des Berufs entspricht
- realistische Personalschlüssel zum Schutz von Kindern und Fachkräften
- keine private Vorfinanzierung von Materialien
- eine Ausbildungsvergütung, die den Lebensunterhalt deckt, sowie
Lernbedingungen, die moderne Pädagogik ermöglichen
8. Ein zukunftsfähiges Pädagogisches Institut
für Augsburg
Die aktuelle pädagogische Arbeit steht vor neuen Herausforderungen. Themen wie
Inklusion, Digitalisierung, Sprachförderung und Nachhaltigkeit gehören längst
zum Alltag. Augsburg braucht deshalb ein Pädagogisches Institut, das Qualität
sichert und weiterentwickelt.
Wir setzen uns deshalb ein für ein Institut, das:
- Inklusion, Traumapädagogik, Heilpädagogik, Demokratiebildung und
Diversität als Grundpfeiler versteht
- gezielte Module für die stationäre Jugendhilfe entwickelt
- neue wissenschaftliche Erkenntnisse schnell in die Praxis überträgt
Wir wollen ein Institut, das nicht nur verwaltet, sondern Impulse setzt für
gerechte Bildung, echte Teilhabe und für eine Stadt, die Verantwortung für junge
Menschen übernimmt.
9. Stationäre Jugendhilfe stärken und sichtbar
machen
Die stationäre Jugendhilfe ist ein zentraler, aber stark vernachlässigter
Bereich der Jugendpolitik. Fachkräftemangel, Unterfinanzierung und fehlende
Anerkennung gefährden die Qualität der Betreuung.
Deshalb gilt es für uns Folgendes umzusetzen:
- bessere personelle Ausstattung und faire Ausbildungs- und
Arbeitsbedingungen
- eine praxisnahe Ausbildung mit Fokus auf Trauma, psychische Belastungen
und Behinderungen
- Zuschüsse für notwendige Ausgaben wie Brillen, Kleidung, Fahrkarten,
Hobbys oder medizinische Leistungen
Stationäre Jugendhilfe ist kein Randthema, sondern Teil der öffentlichen
Verantwortung für Kinder und Jugendliche.
10. Eltern stärken durch einen freiwilligen,
praxisorientierten Elternführerschein
Viele Eltern wünschen sich Sicherheit im Alltag und konkrete Methoden und Ideen,
um den Familienalltag souverän zu meistern. Unser Ziel ist es ihnen freiwillig
praktische und moderne Lernangebote anzubieten.
Wir setzen uns für einen modular aufgebauten Elternführerschein ein, der:
- freiwillig und kostenfrei ist
- keine Beratung oder Bewertung enthält
- wissenschaftlich fundiert und praxisnah ist
- für alle Familien offen ist, unabhängig von Herkunft, Sprache oder
sozialem Hintergrund
Der Elternführerschein soll sich an den realen Entwicklungsstufen von Kindern
und Jugendlichen orientieren, damit Eltern genau das lernen können, was sie in
dieser Phase brauchen. Dieser Führerschein soll ein Ort sein, an dem Familien
Wissen erwerben und Sicherheit gewinnen, ohne gesellschaftlichen Druck oder
Vorurteile. Er soll Kinder schützen, Eltern entlasten und Familien in ihrer
Vielfalt stärken.
11.Reproduktive Gesundheit: für eine
queerfeministische, inklusive
Gesundheitsversorgung in Augsburg
Gesundheit ist ein Menschenrecht. Trotzdem werden in Forschung, Praxis und
Versorgung noch immer überwiegend cis-männliche Körper als medizinische Norm
betrachtet. Erkrankungen, die spezifisch Frauen, inter, nicht-binäre, trans und
agender Personen betreffen, werden zu wenig erforscht und behandelt – mit
drastischen Folgen für Betroffene. Auch Wissen über Menstruation, Verhütung oder
sexuell übertragbare Infektionen wird nicht niedrigschwellig vermittelt.
Das betrifft derzeit auch Augsburg. Denn in einer Stadt wie Augsburg – der
drittgrößten Stadt Bayerns – ist es ein Skandal, dass Schwangerschaftsabbrüche
nur begrenz oder gar nicht angeboten werden können. Stand November 2024 gab es
in Augsburg keine Ärzt*innen, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen.
Schwangere, die sich für einen Abbruch entscheiden, werden durch lange
Fahrtwege, etwa nach München oder Ulm, unnötig zusätzlich belastet.
Schwangerschaftsabbrüche sind Teil der Gesundheitsversorgung und müssen
wohnortnah, sicher und unkompliziert zugänglich sein – ohne moralische
Verurteilung und unnötige Hürden.
Deshmöchten wir genau das im Stadtrat verändern und eine queerfeministische
Gesundheitsversorgung voranbringen. Wir setzen uns ein für eine Stadt Augsburg,
die gegen eine Stigmatisierung von Schwangerschaftsabbrüchen vorgeht.
Dazu zählt:
- eine städtische Informationsseite mit verständlichen und mehrsprachigen
Inhalten zum Ablaufeines Abbruchs, zu Beratungsstellen, rechtlichen
Rahmenbedingungen und medizinischen Angeboten
- eine Öffentlichkeitsarbeit der Stadt, die deutlich macht, dass
Schwangerschaftsabbrüche ein Teil der Gesundheitsversorgung sind und als
solche keine Tabuisierung und Stigmatisierung mit sich bringen dürfen
- eine Stadt, die sich proaktiv für den Ausbau der medizinischen Versorgung
einsetzt. Ärzt*innen, die Abbrüche durchführen oder entsprechende
Fortbildungen planen, sollen gezielte Unterstützung erhalten, etwa
durch Beratungen zu Fördermöglichkeiten oder durch Hilfe beim Aufbau
eigener Praxen.
- eine Stadt, die all ihre Einflussmöglichkeiten nutzt, um das
Universitätsklinikum Augsburg in die Pflicht zu nehmen,
Schwangerschaftsabbrüche als festen Bestandteil der medizinischen Aus- und
Weiterbildung zu verankern
My body, my choice muss auch in unserer Stadt uneingeschränkt und leicht
zugänglich für alle gelten und genau dafür kämpfen wir!
12. Grüne Maxstraße
Die Maximilianstraße soll zu einer „Grünen Maxstraße“ weiterentwickelt werden.
Ziel ist es, einen bislang auto-orientierten und stark versiegelten Raum in
einen klimaresilienten, jugendgerechten und lebendigen Stadtraum zu verwandeln.
Mehr Bäume, Entsiegelung, Schatten, Sitzgelegenheiten, attraktive
Außengastronomie sowie sichere und großzügige Flächen für Fuß- und Radverkehr
erhöhen die Aufenthaltsqualität und machen die Maxstraße zu einem Ort für alle.
Dafür braucht es zusätzlich:
Mehr Grün und Entsiegelung in der gesamten Augsburger Innenstadt
Die Maxstraße als Pilotprojekt und Vorbild für weitere Straßen und Plätze
Vernetzte Grünachsen für bessere Durchlüftung und Abkühlung der Stadt
Mehr schattige Aufenthaltsorte gegen Hitze und für alle Generationen
Eine Innenstadt als Ort zum Leben, Begegnen und Verweilen
Begründung
erfolgt mündlich
Unterstützer*innen
- Lukas Birkmair
- Magnus Trinkwalder
- Hannah Augustin